schwarzer Staffordshire-Terrier und im Hintergrund Berge

Die Story Chico – ist seine Rasse in Gefahr?

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Genau vor einer Woche, am 03. April 2018, hat Hund Chico seine beiden Besitzer mit einer Beißattacke so schwer verletzt, dass sie daran gestorben sind. Die Bevölkerung und Tierfreunde sind aufgebracht, weil Chico, eingeschläfert werden sollte und die Geschichte immer noch einen hohen Klärungsbedarf aufzeigt. Der Staffordshire-Terrier kann leider nicht berichten, denn sprechen kann ein Tier ja leider nicht, sonst wüssten die Menschen, den dieser Fall so interessiert, was in dieser Nacht genau passierte. Viele Tierschützer und -freunde waren letzte Woche, über diese Entscheidung den Hund zu töten, so sehr aufgebracht, dass sie eine Petition ins Leben gerufen haben, die in kurzer Zeit einen wahren Hype ausgelöst hatte. Bis heute kamen über 250.000 Unterschriften zusammen. Alle Achtung!

Und das alles, für einen Hund, der zwei Menschen getötet hat. Warum ist dieses Engagement so groß? Was bewegt die Menschen hinter diesem Schicksal? Die Hundebesitzer sind nicht mehr am Leben, aber die Tochter bekommt ganz sicher die vielen Nachrichten und Posting mit und wird sich die Frage stellen, warum soll dieser „Mörderhund“ am Leben bleiben. Sie möchte unbedingt, dass Chico eingeschläfert werden soll, was sicherlich jeder, der selbst betroffen wäre, verstehen kann. Immerhin hat sie ihren Bruder und ihre Mutter verloren, das sollte niemand vergessen. Allerdings muss vor dieser schlimmen Beißattacke eine Vorgeschichte passiert sein, die nur alleine Chico kennt – und er, kann es uns leider nicht mitteilen.

Fakt ist auch, ein Tier beißt und tötet nur aus Angst, Wut oder Notwehr. Niemand von den Berichterstattern, Nachbarn oder meinungsgebenden Personen, war an dem besagten Abend, des 03. April 2018, in Hannover dabei – auch ICH nicht. Es sind alles Vermutungen, die erahnen lassen, was der Hund Chico zuvor erleben musste. Und es klingt nicht berauschend schön. Laut meiner Recherche und einem Interview mit dem Geschäftsführer des Tierheims Hannover, Herrn Heiko Schwarzfeld, bittet die Tochter der beiden Opfer, dass der Hund eingeschläfert werden soll.

 

Ämter räumen Fehler ein

Weiter heißt es, das Land Hannover und die Ämter haben teilweise Prüfungen nicht korrekt durchgeführt und haben es versäumt, frühzeitig einzuschreiten. Um deren Aufklärung kümmert sich nun die Staatsanwaltschaft. Herr Schwarzfeld äußerte sich zu diesem Fall unter anderem auf der Tierheim-Hannover-Website und gab dort eine ausführliche Erklärung ab. Es wird jetzt versucht den Hund auf einem Gnadenhof unterzubringen und Herr Schwarzfeld hofft das Beste für das Tier, trotz der schlimmen Umstände. Des Weiteren erzählte er, Chico weist eine heftige Entzündung im Fang auf, so das sogar mit einem Tumor gerechnet werden muss. Der Hund wird in den nächsten Tagen tierärztlich betreut und untersucht, und die Ergebnisse werden mitgeteilt.

Schriftzug Animal Love als Herzform, das Herz trägt einen roten Schriftzug

Mit Herrn Heiko Schwarzfeld habe ich eine schöne Überlegung erörtert, nämlich folgende:
Falls Chico auf einen Gnadenhof kommt, dann soll ein Spendentopf eröffnet werden und jeder, der zum Beispiel die Petition für Chico unterschrieben hat, könnte 1,- Euro für ihn und andere Tiere spenden. Ja, und was soll ich sagen, bei dieser hohen Anzahl der Unterschriften, kommen da schnell 250.000,- Euro zusammen. Auf geht’s!

Wie wir sehen, hat dieser Fall Chico die Menschen aufgewühlt und wahrscheinlich ist es die Hintergrundgeschichte, welche die Bevölkerung zum Handeln bewegte. Laut Recherche wurde der Hund in der Wohnung ab und zu in einem Metallzwinger gehalten und durfte mitunter nur einmal am Tag vor die Tür, und das auch nur nachts. Jeder Menschenverstand sagt jetzt – Nein, das ist ja Tierquälerei. Richtig, das ist es auch, denn Tierärzte und Tierschutzorganisationen bestätigen, jeder Hund benötigt oft Bewegung, plus den Wunsch seine Notdurft zu verrichten, was auch ein Chico verrichten musste, nicht in der Natur, sondern auf dem Balkon, so wie Nachbarn bestätigten. Der Hund muss gelitten haben, wenn diese Haltung den Tatsachen entsprechen sollte. Weiteren Berichten zufolge, soll die 52-jährige Mutter pflegebedürftig gewesen sein und ihr 27-jähriger Sohn hatte mit einer Erkrankung zu kämpfen, die unter anderem mit Kleinwüchsigkeit verbunden war. Laut dieser Umstände hätten die Besitzer einen solchen Hund niemals halten dürfen und Chico hätte ihnen vom städtischen Veterinäramt weggenommen werden sollen. Vielleicht wären dann Mutter und Sohn noch am Leben.

 

brauner Hundewelpe, mit weißer Brust, sitzt auf einer Wiese

Für seine Zukunft, müsste der Hund ganz sicher einem neuen Wesenstest unterzogen werden, um eine doch ggf. neue Vermittlung durchzusetzen. Dieser Test könnte unter anderem von den Spendengeldern gezahlt werden. Was erstaunlich ist, die Rasse Staffordshire-Terrier wird laut Charakter und Temperament wie folgt beschrieben: Beharrlich, hingebungsvoll, loyal, freundlich, aufmerksam und tapfer beschrieben. Also alles andere, als eine Beschreibung aggressiven Verhaltens. Diese Rasse wird sogar teilweise als „Nanny-Dog“ bezeichnet, wußten Sie das?

Der Staffordshire-Terrier gilt als Listenhund und es müssen bestimmte Auflagen erfüllt werden, die im Fall Chico wahrscheinlich nicht eingehalten wurden, denn sonst hätten zwei gesundheitlich eingeschränkte Menschen diesen Hund gar nicht halten dürfen. Es stellt sich die Frage, an welchen Merkmalen eine solche Listung stattfindet, denn immerhin zeigt die Typ-Bezeichnung der Rasse, keine negativen Einstufungsmerkmale dar. Hier dürfte klar sein, dass Chico’s Verhalten auf Grund der schlechten Haltung, Erziehung und Umstände zurückzuführen sind.

 

Wie läuft ein Wesenstest für Hunde ab?

Sofern der Hund das Erlebte, denn auch ein Tier leidet, verarbeitet hat, sollte unbedingt ein Wesenstest vollzogen werden. Danach kann eine Beurteilung zum Verhalten von Chico erstellt werden – vorher nicht. Ein Wesenstest kostet unter anderem in Niedersachsen ca. 400,- Euro, dauert einen Tag und dabei wird der Hund auf „Herz und Nieren“ geprüft.

 

Hier eine Kurzdarstellung von diesem Test:

  1. Hund – Mensch – Kontakt,
  2. Hund – Umwelt – Kontakt,
  3. Hund – Hund – Kontakt
    plus Gehorsamkeitsübungen.

 

Einzelaufgaben können sein:

  1. Rang anmaßende Gesten (Handauflegen auf den Rücken und Kopf, Umfassen des Fangs),
  2. Anstarren (Drohfixeren),
  3. Konfrontation mit mehreren Personen (Personen haben einen Blindenstock, Gehstock, Jogger, Betrunkene und nach Alkohol riechende Person),
  4. Überraschungsaktionen werden geübt und getestet.

 

Im Weiteren werden geprüft, wie der Hund sich in folgenden Situationen verhält:

  1. Kinderwagen kommt ihm entgegen,
  2. Regenschirm in der Hand,
  3. Klingelndes Fahrrad und hupendes Auto,
  4. ein zweiter Hund konfrontiert ihn und dabei wird geschaut, wie er sich verhält,
  5. Herrchen oder Frauchen sind durch einen Zaun und Grundstück vom Hund getrennt,
  6. allgemeine Übungen zum Gehorsam werden durchgeführt (Kommando geben: Platz, Sitz, Bleib), das Ausgeben eines Spielzeugs und ihm an den Fang fassen dürfen.

 

schwarze Tafel mit Kreideschriftzug, wo darauf steht: Test

Am 11. April 2018 soll Chico voraussichtlich einen Wesenstest durchlaufen. Bestanden! = Leider hat die Geschichte ein anderes trauriges Ende genommen! Später mehr … Recherche läuft noch.

 

 

Das Fazit

Fazit ist, es war ein schlimmer Unfall und es sind zwei Menschen zu Tode gekommen, jedoch muss sensibel mit den Umständen umgegangen werden. Die Einschläferung, die für den 09. April 2018 angesetzt war, wurde erst mal abgesagt. Jetzt liegt es an den Behörden und den Angehörigen, wie der Fall Chico ausgehen wird.

 

Chico würde ein neues zu Hause und eine zweite Chance gut tun, also gebt dem Hund jetzt Ruhe, damit er das Erlebte verarbeiten kann und dann finden sich neue Wege!

In diesem Sinne – bitte seid gut und herzlich zu euren Tieren und unserer Natur! Der Dank kommt ganz sicher zurück. Und jeder der mithelfen möchte, spendet 1,- Euro an das Tierheim Hannover oder eine Tierschutzorganisation seiner Wahl. 

 

Ein herzliches Danke geht an Herrn Heiko Schwarzfeld, der mir am Telefon sehr aufrichtig und ausgesprochen freundlich, Auskunft über die Umstände und Chico gegeben hat.

 

 

Danke und bis bald,

Eure Annett

 

 

 

 

© Copyright 2018 Annett Herzog – Pressearbeit-Herzog
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